Posted by on 14. Oktober 2017

Heute im Kinderbuchladen auf der Suche nach einem Kindergartenfreundschaftsbuch für meine Tochter konnte ich nicht das Gespräch zweier Damen, auf der Suche nach dem perfekten Geschenk für eine Zweijährige überhören. Nicht dass ihr jetzt denkt ich lausche gerne was andere so bewegt, NEIN, aber bei so manchen Themen kann man dann einfach nicht weghören. Sie haben sich über den Schlaf der Tochter unterhalten. Ich kann euch nicht sagen wie alt die Kleine sein mag, eventuell ist es die Zweijährige, aber auf jeden Fall schon so alt, dass sie die Bedeutung des „wenn du das machst, dann…“ kennt. Ein kurzer Auszug aus dem von mir „mitgelauschten“ Gespräch: „….jetzt muss ich noch herausfinden woher ich dieses spezielle Playmobil bekomme. ’seuftz'“ „Bekommt man das nicht bei sowieso?“ „Hm… keine Ahnung, aber ich muss es noch auftreiben, denn ich habe ihr versprochen wenn sie 10 Mal alleine Einschläft bekommt sie es.“ die andere lacht „ja das haben wir bei … auch einmal gemacht!“….

Mit meinem Hintergrund als 1001 Kindernacht Schlafberaterin klingeln ein paar Glocken. Mir lag die Frage auf der Zunge: „Schläfst du gut wenn dein Mann/Frau/Freundin/Freund einmal nicht zu hause ist und du alleine im Bett liegst?“ In den meisten Fällen wird diese Frage mit NEIN beantwortet. Es gibt auch welche die sich dann die Kinder ins Bett holen, weil sie dann besser Schlafen. Hmm… komisch oder?
Man verlangt von den Kleinsten alleine zu schlafen, aber selber fühlt man sich dann schon unwohl dabei und hat lieber jemanden an seiner Seite schlafen. Sicher gibt es jetzt einige Aufschreie, von wegen „Ich schlaf am besten alleine, weil ich dann meine Ruhe habe!“ Mag es auch geben, keine Frage, aber ich wage mich zu behaupten, die Mehrheit von euch fühlt sich wohler mit seinem Partner neben sich – auch wenn er manchmal Schnarcht, oder gerne viel zu eng kuschelt und man sich seiner Decke nicht immer ganz sicher ist ;-). 
Aber hey, ich kenne die Hintergründe nicht und möchte nicht bewerten. Aber ich möchte dieses Gespräch als Anstoß nehmen euch etwas über das „Einschlafverhalten“ unserer zu Kinder erzählen (klingt irgendwie nach einer Tierdoku – Oh Gott…)

Aber wie schlafen denn nun unsere Kinder am besten ein?
Nora Imlau und Dr. Herbert Renz-Polster haben es in ihrem Buch „Schlaf gut Baby“ ganz gut beschrieben finde ich.

‚Zum Einschlafen brauchen kleine Kinder eigentlich nur entspannte Eltern und ganz viel Nähe.‘

Es kann helfen ihnen Rituale zu bieten. Jeden Abend den selben Ablauf, vor dem zu Bett gehen, kann den Kleinen Sicherheit geben und beim zur Ruhe kommen unterstützen. Was hierbei aber ganz wichtig ist, ist dass es ein Ritual ist, mit welchem man sich identifizieren kann. Wenn sich in mir alles dagegen sträubt, ist es nicht das Richtige für mich.
Dass Babys und Kinder Nachts aufwachen ist ganz normal. Ich sage dazu immer gerne: „Sie haben einfach einen nicht an unsere Gesellschaft angepassten Schlafrhythmus.“ (Wieder-)Einschlafen ist für ein kleines Kind eine Trennungssituation. Um gut Einschlafen zu können muss man sich sicher und geborgen fühlen.
Das Schlafen gehen an sich sollte mit positiven Erfahrungen verknüpft sein und das über Monate hinweg. Wenn man die Kinder in den Schlaf begleitet und ihnen die Sicherheit gibt, da zu sein wenn sie einen brauchen, wird es auch irgendwann gut funktionieren. Keine Angst, nicht erst mit 18! Schlafen hat etwas mit Reife zu tun und mit 3-6 Jahren sind die Kinder so weit, dass sie selber (wieder-)einschlafen können. ABER Jedes Kind ist individuell und man kann keine allgemeine Aussagen machen. Wenn Babys von Anfang an mit Körperkontakt zur Bindungsperson einschlafen dürfen, wird dieser Prozess unterstützt. 

Es gibt eine ganz schöne Zusammenfassung von Sibylle Lüpold in ihrem Buch ‚Ich will bei euch schlafen!‘ über die Studie von Keller (1999) zur Erwartungshaltung der Eltern im Bezug auf Durchschlafen und alleine Schlafen in verschiedenen Kulturen. 

Auf die Frage: „Wann erwarten Sie, dass ein Kind die Nacht durchschläft?“ antworteten
Eltern aus Deutschland und Nordamerika: mit ca. 4-5 Monaten
Eltern aus Costa Rica und Kamerun: mit ca. 3.5 Jahren
Eltern aus Indien: mit knapp 5 Jahren
Auf die Frage: „Wann erwarten Sie, dass ein Kind alleine schläft?“, antworteten
Eltern aus Deutschland und Nordamerika: mit ca. 4-6 Monaten
Eltern aus Kamerun: mit 5 Jahren
Eltern aus Costa Rica: mit 6 Jahren

Ich finde es sehr spannend, wie sehr sich die Kultur in die man hinein geboren wird auf unseren Schlaf auswirkt. 

Es heißt nicht, dass Kinder NUR im Bett einschlafen dürfen. NEIN ganz im Gegenteil. Wir dürfen uns auch die Freiheit herausnehmen, sie zB im Tuch in den Schlaf zu schaukeln, wenn wir unterwegs sind. Es schenkt uns selber wieder sehr viel an Flexibilität. ABER nicht jedes Kind wird es mögen, es gibt auch Kinder, welche das Bett verlangen.
Ihr habt sicher schon einmal die Aussage gehört: „Boa… es war so laut und er/sie hat tief und fest geschlafen…“ Ja!, weil Kinder am besten in der Nähe der anderen schlafen, da dies Sicherheit bedeutet. (Auch wenn kein Wolf mehr hinter dem Busch hervor springt) Dieses Phänomen kann auch für das alleine Einschlafen bei größeren Kindern ab ca. 3 Jahren genutzt werden, indem man dem Kind erklärt man müsse nochmal schnell aufstehen um das oder jenes zu machen. Diese Tätigkeit sollte dann laut genug sein, damit die Kinder einen hören und wissen Mama oder Papa sind noch in der Nähe und eventuell schon die Augen schließen und alleine einschlafen. 

Grundsätzlich kann man sagen, dass es nicht die Kinder sind, die gut schlafen „lernen müssen“ sondern unsere strukturierte Gesellschaft hat einfach keinen Platz mehr für natürlichen ‚Menschenschlaf‘. Und wir Erwachsenen kommen dadurch in eine Drucksituation, da wir den in der Nacht verlorenen Schlaf nicht wieder nachholen können, auf Grund von zu wenig Unterstützung oder Zeit im täglichen „Alltagswahnsinn“ 

Versucht so oft wie möglich Schlaf nachzuholen, wenn ihr ihn braucht. Nicht beim Mittagsschlaf des Kindes schnell den Haushalt schmeißen und noch schnell hier was und da was. (Ich laufe da leider immer zur Höchstform auf und sollte mich auch an der Nase nehmen…) Nein gönnt euch auch Ruhe und Schlaf, der Haushalt lässt sich in den meisten Fällen auch später bewältigen. Denn Schlaf hat oberste Priorität. 

In diesem Sinnen viel Geduld und ruhige Nächte!!
Eure Christiane

P.S.:
Wer die Zeit des Einschlafbegleitens mit einem Buch zum Thema verkürzen möchte, anbei noch ein paar Literaturempfehlungen. 
H. Renz-Polster (2014) Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. Kössel-Verlag. München
L.Stern & A.C. Gaca (2016) Das Wochenbett. Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Kössel-Verlag. München
S. Lüpold (2007) Ich will bei euch schlafen! Urania Verlag Freiburg im Breisgau
N. Schmidt (2015) Artgerecht. Das andere Baby-Buch. Kössel-Verlag. München
H. Renz-Polster (2016) Schlaf gut Baby! Gräfe und Unzer Verlag GmbH. München
E. Solmaz (2013) Besucherritze. Ein ungewöhnliches Schlaf-Lern-Buch. Beltz Verlag. Weinheim und Basel.

Posted in: Bindung, Schlafen

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